Was blüht hier?

Die digitale Pflanzensammlung von Michael Baur
Heimische Flora im modernen Online-Format.
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Nr. 19 · Frühblüher im Wald

Wohlriechendes Veilchen

Viola odorata
Das duftendste Veilchen – und der Ursprung eines Parfüm-Jahrhunderts.
Tafel Wohlriechendes Veilchen
Foto Wohlriechendes Veilchen 1Foto Wohlriechendes Veilchen 2

Der Duft, der eine Industrie schuf

Das Wohlriechende Veilchen war im 19. Jahrhundert eine der bedeutendsten Parfümpflanzen Europas. Ganze Landstriche in Südfrankreich und Norditalien wurden mit Veilchen bepflanzt, um das flüchtige Ionon – den Hauptduftträger – zu gewinnen. Ionon ist heute synthetisch herstellbar und steckt noch immer in vielen Parfüms. Der Duft einer einzigen Veilchenblüte hat eine ganze Industrie begründet.

Zwei Strategien, ein Ziel

Das Wohlriechende Veilchen blüht zweimal: Im Frühjahr öffnet es seine auffälligen, bestäubten Blüten – die aber selten Samen ansetzen. Im Sommer bildet es unscheinbare, geschlossene Blüten (Kleistogamie), die sich ohne Bestäubung selbst befruchten und zuverlässig Samen produzieren. Eine elegante Doppelstrategie: Genetische Vielfalt durch Kreuzbestäubung im Frühjahr, garantierte Nachkommenschaft im Sommer.

Wissenswertes & Merksätze

Duftnarkose
Ionon, der Hauptduftträger, betäubt die Riechnerven kurzzeitig – deshalb riecht man Veilchen nach einigen Atemzügen nicht mehr. Moment abwarten, und der Duft kehrt zurück.
Kleistogamie
Die geschlossenen Sommerblüten bestäuben sich selbst – ohne Öffnung, ohne Bestäuber. Ein sicherer Reproduktionsweg, wenn die Bestäuber ausbleiben.
Massenblüte zeigt alten Bestand
Dichte Veilchenteppiche wie auf dem Foto entstehen über Jahre – ein Zeichen für ungestörte, strukturreiche Wald- und Heckenränder.